DER WEG IN DIE ERFÜLLUNG

Wir treffen viele Entscheidungen, die meisten unbewusst, viele notwendigerweise oder weil wir sie für vernünftig halten. Neben den Automatismen und dem, was wir unsere Pflicht nennen, gibt es noch einen äußerst bedeutsamen Initiator: unser Herz.

Rückblickend möchte ich keine meine Herzensentscheidungen missen – auch wenn ich oft genug zauderte ihnen vollends zu vertrauen, so baut mein Leben in seiner Fülle, Freude und inneren Zufriedenheit maßgeblich darauf auf.


Es ist so leicht eine Entscheidung zu fällen, wenn es scheinbar um nichts geht. Wenn es letztlich egal ist, ob ich genau das bekomme oder etwas ähnliches, wenn ich mit nahezu spielerischer Losgelöstheit von dem Ergebnis mit den Optionen jongliere, dann ist meine Wahl in jedem Fall ein Gewinn, dann fühle ich mich sicher. Doch wenn der Schuh an allen Seiten drückt, wenn Sorgen und Zweifel jeden Schritt schleppender werden lassen, dann mag man sich am wenigsten dem Rat des Herzens zuwenden.
Betrachte ich mein Leben mit allen seinen Windungen, leuchten besondere Weggabelungen hervor – jene an denen ich inmitten existenzieller Fragen in einem Anflug vermeintlicher Hirnlosigkeit das tat, was mein Herz mir sagte. Wenn man nur lange genug die Nächte voller Gedanken zugebracht hat, das Kissen zerwühlte, mit ermattetem Körper und schwerem Kopf auf die zu beantwortenden Fragen blickte, dann kommt der Moment, den ich heute „erlösende Gleichgültigkeit“ nennen würde.

 

Erlösende Gleichgültigkeit

Was auf den ersten Blick vielleicht zu Unrecht als Resignation missgedeutet wird, entpuppte sich für mich als Schwelle zur Auflösung jeglicher Stagnation. Bei näherer Betrachtung löste ich die Bezeichnung „gleichgültig“ aus ihrer negativen Wertung und stellte eine positive Balance her, indem ich zu mir sagte: „Gleich, welchen Weg ich gehe werde, es ist alles gleich gültig, gleich wertig, gleich gut.“ Diese heilsame Gleichgültigkeit bewirkte vor allem, dass ich den Zwang abstreifte, die absolut richtige Entscheidung fällen zu müssen. Unter dem wachsenden Druck fühlte ich mich genau dazu aufgefordert, schließlich ging es um Geld, berufliche Ausrichtungen, wohnliche Veränderungen – eben die gesamte Existenz, alles stand für mich auf dem Spiel. Mit der erdrückenden Last, die einzig wahre Lösung zu finden, erlischt jede Leichtigkeit, erstarren das feine Gespür für wertvolle Hinweise und jeglicher Flow, mit Gelassenheit ans Ziel zu kommen. In dem Augenblick, da ich jedweden Ausgang als mögliche Lösung betrachten konnte, entließ ich mich aus der Enge des Richtig und Falsch. Ich konnte durchatmen, das Gedankenkarussell verlangsamte sich, es setzte eine Leere ein, in der ich endlich bereit war, meinem Herzen zu lauschen. Jetzt, wo es „gleichgültig“ war, da holte ich mir die Kraft zurück und verband mich zugleich mit meiner weisen Führung.

 

Innere Anbindung

In diesem Jahr stand ich, wie vermutlich viele Menschen, erneut an einer dieser bedeutsamen Weggabelungen. Wieder ging es um Geld, berufliche Optionen, wohnlichen Wechsel, inzwischen nicht mehr nur für mich alleine, sondern unter Berücksichtigung, dass ich mittlerweile Mutter eines kleinen Sohns bin. Wenngleich ich mich als über die Jahre geübt im Vertrauen auf meine Herzstimme, meine Intuition, bezeichnen möchte, so ist der Aspekt ein Kind zu haben, eine Herausforderung hinsichtlich des Fällens von Entscheidungen, die ich so noch nie hatte.
Ich sah die Veränderungen kommen und blieb besonnen. Trotz meines Gespürs für die noch nicht offenkundige Größe der Beeinträchtigungen, half mir meine Anbindung an die Intuition, nicht von Ängsten aufgescheucht und dadurch Kopflos voranzuschreiten. Als eine Art Basisarbeit sortierte ich meine Aufgaben, sodass ich mir sagen konnte: „Das Notwendige hast Du getan, jetzt schau, was an weiteren Impulsen kommt.“

 

Die Tür zum Herzen

Man sollte sich das allerdings nicht so vorstellen, dass ich ab dann bequem auf dem Sofa lag und den Wolken durch das Dachfenster zuschaute. Mein Alltag ist sehr durchgetaktet und es ist eine bewusste Entscheidung, in die Stille zu gehen, Raum für das Lauschen nach Innen einzurichten. Ich fand den Zugang hierfür vor allem in den Stunden, in denen ich zusammen mit meinem Sohn draußen in der Natur war. Es sind heilsame Lücken im Tagesgeschehen, welches mich, wie viele andere vor sich herzutreiben scheint. Ich erlaubte mir durch die Zeit mit meinem Sohn in eine regelmäßige Entschleunigung zu kommen. Trotz allem, was mich zu schnellem Handeln rief und dazu, keine Zeit zu verlieren, brachten mich gerade die Auszeiten in jene Ruhe, die es braucht, um die Stimme des Herzens überhaupt wahrzunehmen. Diese Ruhe ist nicht zu verwechseln mit Müdigkeit, ganz im Gegenteil, ich fühlte mich wach und aufnahmebereit. Mir war, als ob des Kindes Unbeschwertheit die Tür zu meinem Herzen immer wieder aufstieß, damit ich es unter aller Last nicht verlerne.

 

Willkommen Lebenskraft

Und so entschied ich eines Morgens, dem Ruf meines Herzens zu folgen und das zu tun, was ich eben von Herzen gerne tue – vor allem, wenn meine Seele wieder Nahrung braucht: ich schrieb. Ich schrieb nicht irgendetwas. Ich schrieb über das, was mich bewegte, und als hätte sich jegliche Hürde des Selbstzweifels aufgelöst, war mir über Nacht klar geworden, dass dies nun der weitere Weg sein würde. Dabei war das Schreiben nur der Anfang von etwas, was mir völlig neue Horizonte eröffnete. Niemals hätten sich mir diese Angebote durch logische Analyse und vernünftiges Auswerten meiner Lage aufgetan, an so etwas habe ich schlichtweg nicht gedacht. „Wenn schon alles im Wandel ist, und es kaum Anhaltspunkte gibt, wo die Reise hingeht, dann ist es im Grunde egal, was ich tue.“, so hatte es in mir gesprochen. Wieder war es die erlösende Gleichgültigkeit, die meiner Herzensentscheidung freundlich die Tür öffnete. Damit hatte ich zugleich die Lebenskraft selbst eingeladen, Teil meines neuen Weges zu werden. Die Gedanken, ob es wirklich sinnvoll ist, wofür ich mich entschieden habe, was nun meine Tage füllt, bedrängen mich nicht mehr, sie gleichen Wandbildern, die ich verblassend betrachten kann.

 

Wachstum geschehen lassen

Ein paar der existenziellen Fragen sind nach wie vor unbeantwortet und das ist wahrlich ein beständiger Unruheherd. Mittlerweile gelingt es mir, noch bevor der Gedankenwirbel zusammen mit dem Gefühlschaos in mir hochsteigen, mein Herz zu befragen. „Sag, bleiben wir auf dem Weg? Habe ich etwas übersehen, sollte ich heute eine andere Wahl treffen?“ Auch wenn hier eine beruhigende Stimme antwortet, so beäugt die kritische Haltung der Ratio jeden Zuruf aus dieser Richtung. Ich glaube inzwischen, dass man sich an diesen inneren, nicht ganz einfachen Dialog gewöhnen muss.

Das, was aus dem Impuls von vor einigen Monaten entstanden ist, gleicht einem heranwachsenden Baum, der immer weitere Äste austreibt. Eines der veröffentlichen Artikelthemen schien sprichwörtlich viele Menschen mitten ins Herz getroffen zu haben, weshalb ich begonnen habe, dazu ein Buch zu schreiben. Aus einem weiteren Herzensanliegen entwickelte sich eine landesweite kulturelle Initiative, die mir reichlich Kontakte und Begegnungen bescherte. Und das alles nur, weil ich bewusste Herzensentscheidungen gefällt habe?

 

Urvertrauen erleben

Ja, etwas anderes kann ich nicht mehr behaupten, betrachte ich die Summe aller wundersamen Fügungen, die so unglaublich zusammenspielen, wie die einzelnen Musiker sich zu einem großartigen Orchester zusammenfügen. Ich bin inmitten einer für mich zerfallenden Welt in ein neues Reich eingetaucht. In diesem geben sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Richtungen aufrichtig die Hände, weil sie in ihren Unternehmungen vor allem eines am Leben erhalten wollen: unsere Herzkraft. Was mir als Aufgabe gereicht wurde, ist zugleich eine Quelle um tiefe Erfüllung zu erfahren. Die Verbindung mit Menschen, mit denen ich niemals auch nur ansatzweise in einen so unmittelbaren und persönlichen Austausch gekommen wäre, spielt eine wesentliche Rolle. Bei Herzensentscheidungen sind es vor allem die Menschen, die einem, meist als neue Gefährten mit auf den Weg geschenkt werden. Ich verspüre in diesen wachsenden Lebenssträngen eine Verankerung im Fluss des Lebens selbst, eine Form von Urvertrauen in den guten Ausgang meiner Wahl und zugleich in mich.


Spirituelle Führung

Herzensentscheidungen zu treffen, bedeutet mehr als einer Gefühlsregung zu folgen, sie besitzen auch eine andere Energie als Bauchentscheidungen. Die Stimme des Herzens besitzt eine große Tragweite, da sie mit der Stimme unserer spirituellen Führung verbunden ist. Wir wissen heute, dass das Herz ein sehr viel größeres elektromagnetisches Feld besitzt als das Gehirn, was einmal mehr bestätigte, wie bedeutsam unsere Wahrnehmung im Herzen ist. Wenn wir nur ruhig und klar genug sind, gelingt es uns die wichtigen Botschaften, gerade in Zeiten größerer innerer Aufruhr, sicher herauszufiltern. Das vermag einiger Übung, die wir aber gerne aufbringen sollten, wenn es darum geht, sich in Richtung eines erfüllten Lebens weiterzuentwickeln. Weil ich die Stimme meines Herzens stets als weise Entscheidungshilfe empfunden habe, festigte sich mein Glaube, dass mein Leben selbst von einer liebenden Hand geführt ist. Manches Mal löse ich mich von ihr, wie ein kleines Kind, welches die Hand seiner Mutter loslässt, um eigene Wege zu erkunden. Doch irgendwann suche ich wieder die Führung, die Anbindung, die Antworten auf meine Fragen – und dann weiß ich, finde ich alles das, wenn ich mir Zeit nehme, das Reich meines Herzens zu besuchen.

 

Originalfassung.


Den Artikel samt weiterer wertvoller Tipps gibt es im Magazin "ich bin" 01/2021 zu lesen.

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